Partnerschaft zwischen der Ev. Kirchengemeinde Lohfelden und der Ev. Lutherischen Kirchengemeinde Erval Seco / Brasilien
Seit dem Jahr 1995 gibt es eine Partnerschaft zwischen Lohfelden und Erval Seco. Getragen wird sie von gegenseitigen Besuchen und gegenseitiger materieller und ideeller Hilfe.
Jedes Jahr schickt die Evangelische Kirchengemeinde Lohfelden etwa 3.500 Euro nach Brasilien.
Dieses Geld stammt von Einzelspendern und aus der Advents- und Weihnachtskollekte.
3.500 Euro... das sind rund 12.000 Reais, was der Kaufkraft von etwa 12.000 DM entspricht.....
viel Geld !
Was wird mit diesem Geld in Erval Seco - unserer brasilianischen Partnergemeinde – nun
gemacht?
1. Das Umschulungsprojekt für existenzbedrohte Kleinbauern.
Die meisten Familien in unserer Partnergemeinde Erval Seco sind Bauern. Kleinbauern.
Ein Ha. Land, manchmal 2 oder 3 Ha., größer sind die Höfe nicht. Zuckerrohr, Maniok, Mais und Soja wird angebaut. Aber angesichts der Weltmarktpreise können solche kleinen Betriebe kaum bestehen.
Die kleinen Familienbetriebe „sterben“. Immer mehr Familien müssen ihr Land verkaufen und in die Städte ziehen, wo sie in Elendsvierteln leben.
Pfarrer Elio Scheffler (viele kennen ihn noch aus seiner Zeit als Austauschpfarrer in der Ökumenischen Werkstatt Kassel, in der er hier in Lohfelden wohnte) hatte vor 8 Jahren die Idee, die Bauern seiner Gemeinde zu einer Umschulung zu ermutigen. Wenn sich konventionell angebaute Produkte nicht mehr verkaufen lassen... wie wäre es denn mit okölogischen Erzeugnissen? Denn auch in Brasilien steigt die Nachfrage nach genfreien, ökologisch angebauten Produkten. 1998 begann eine erste Gruppe von 11 Bauern, sich zu Ökolandwirten ausbilden zu lassen. An 16 Wochenenden fand die Schulung statt, mit theoretischen und praktischen Anteilen.
Finanziert wurde diese Umschulung durch Geld aus Lohfelden,
Und bereits nach dem ersten Durchgang war klar: Das ist die einzige Möglichkeit, den Kleinbauern in Erval Seco eine Zukunft zu geben.

Inzwischen läuft der vierte Kurs, insgesamt 60 Familien beteiligen sich nun an diesem Projekt.
2. Bau einer Markthalle und einer Saatgut-Trocknungsanlage
Eine Markthalle wurde mit lohfeldener Spendengeldern in Eigenarbeit gebaut. So kann auch in der Regenzeit Markt abgehalten werden.

Eine Trocknungsanlage für selbst entwickeltes, genfreies Saatgut wurde finanziert...
Von unseren Spendengeldern wurde das Gelände gekauft, auf dem die Anlage steht. Das Geld wird von den Benutzern dann Stück für Stück zurückgezahlt.

3. Unterstützung der Schule „Olavo Bilac“ in Barra do Pinhal.
Eigentlich sollte die Schule geschlossen werden, weil hier auf dem Land zu wenig Kinder waren. In der ganzen Schule gab es nur noch 16 Schüler. Diese 16 Kinder sollten mit Bussen vom Land in die Stadt gefahren werden, um dort zur Schule zu gehen.
Da taten sich die Eltern und die Lehrerin, der Pfarrer und der Bürgermeister zusammen und sagten:
„Wieso sollen die Kinder vom Land in die Stadt gefahren werden, um zur Schule zu gehen? Kann man das nicht auch umgekehrt machen: Die Kinder von der Stadt auf das Land fahren, wo sie in einer wunderhübschen Schule in der schönen Natur sind? Und nicht nur Lesen und Schreiben, sondern auch Gartenbau und Essenszubereitung lernen. Nach vielem Hin und Her konnten sie diese Idee umsetzen.
Die Kirchengemeinde Lohfelden finanziert einen Bauern, der den Kindern beibringt, wie man einen Garten bestellt. Außerdem bezahlt sie eine Frau, die den Kindern mittags aus den Erträgen des Gartens ein gutes, ökologisches Essen kocht.
Das ist „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Wie wird das Geld verteilt?
Die Kirchengemeinde Erval Seco hat eine "grupo de diakonia" (einen Diakonieausschuß) gegründet, die über die Verteilung des Geldes entscheidet.
Das Prinzip der Geldvergabe ist:
· Projekte fördern, die allen dienen
· Projekte unterstützen, die dann von alleine weiterlaufen (Anschubfinanzierung)
· Kredite geben, die wieder zurückgezahlt werden
· den Ärmsten helfen
Eins ist sicher: Das Geld kommt an
(I. Ruhrmann-Brandt)
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