Das Kirchenjahr

Das Schwerpunktthema unserer Kirchengemeinde im Jahr 2011 ist „das Kirchenjahr gestalten“.

Passionszeit - Fastenzeit

Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch und dauert 40 Tage bis zum Karsamstag. Diese 40 Tage sind gleichzeitig eine Zeit des Fastens und ein Aufruf zur Buße und Umkehr. In der alten Kirche waren diese 40 Tage die Zeit der Taufvorbereitung, die dann in der Osternacht erfolgte und eine Bußzeit, in der sich Büßer auf die Wiederaufnahme in die kirchliche Gemeinschaft am Gründonnerstag vorbereiteten. Die Fastenzeit ist die Zeit der persönlichen und gesellschaftlichen Erneuerung. In der so genannten „geschlossenen Zeit“ gab es keinen Tanz und keine Feste. Diese Zeit lädt ein zur Besinnung, zur Umkehr und zum Verzicht. Die evangelische Kirche ruft seit einigen Jahren in der Passionszeit zur Aktion „Sieben Woche ohne“ auf. 40 Tage lang soll jeder, der mitmacht, bis zum Ostersonntag freiwillig auf Gewohnheiten und Abhängigkeiten verzichten (bspw. Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten, Fleisch etc.). Auch Neid und Lieblosigkeiten sollen in dieser Zeit vermieden werden. Mit Durchhaltebriefen und Andachten werden die Teilnehmer gestärkt. Die Zahl 40 ist in der Bibel eine symbolische Zahl. 40 Tage fastete Jesus in der Wüste, weilte Moses auf dem Berg Sinai, ist Elia auf dem Weg zum Berg Horeb. In fast allen Religionen spielt Fasten eine wichtige Rolle. Während des Fastenmonats Ramadan feiern bspw. Muslime die „Nacht der Macht“, in der nach islamischen Glauben der Koran herab gesandt wurde.


Passionszeit – Karwoche Das Wort Passion kommt aus dem lateinischen und bedeutet „Leiden“. Die Passionszeit erinnert an das Leiden Jesus, seine Gefangennahme und seinen Tod. Höhepunkt der Passionszeit ist die Karwoche („Kar..“ kommt vom Althochdeutschen Wort „Kara“ und heißt Sorge). Die Karwoche beginnt mit dem 6. Fastensonntag, dem Palmsonntag (Palmarum), der seinen Namen von den Palmzweigen hat, mit denen Jesus beim Einzug in Jerusalem als König begrüßt wurde. Jeder Tag der Karwoche hat ein biblisches Thema: Montag - die Salbung von Betanien
Dienstag - die Ankündigung des Verrats und die Verleugnung des Petrus
Mittwoch - der Verrat des Petrus und das letzte Abendmahl
Der Gründonnerstag hat die Einsetzung des Abendmahls, die Gefangennahme Jesu im Garten Gethsemane, das Verhör vor dem Hohen Rat und die Verleugnung des Petrus zum Thema. Das Wort „Grün“ kommt von greinen – weinen. Am Gründonnerstag wurde der „greinende“ Büßer wieder in die Kirchengemeinschaft aufgenommen.
Am Karfreitag gedenkt man, dass Jesus verspottet, geschlagen und getötet wurde und für viele Menschen den Erlösungstod gestorben ist.
Der Karsamstag war früher der Ruhetag des Herrn nach seinem schmerzvollen Erlösungsleiden. Er ist deshalb auch der stillste Tag des Kirchenjahres. Der Karsamstag ist der Rüst-Tag, die Bereitung für Ostern. In Rußland heißt er Färbersamstag, die ganze Familie beschäftigte sich mit dem Färben der Ostereier.


Ostern Das Osterfest ist das älteste und bedeutendste Fest der Christenheit. Jährlich wird hier die Auferstehung Jesu Christi gefeiert, der nach dem Neuen Testament als Sohn Gottes den Tod überwunden hat. Die Auferstehung gilt als Mitte des christlichen Glaubens. Ostern (lateinisch „pascha“, vom hebräischen „pessach“) ist ein bewegliches Fest, das Kalenderdatum variiert. Auf dem Konzil von Nizäa im Jahre 325 wurde festgelegt, dass das Osterfest nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert wird, also zwischen dem 22.März und dem 25. April. Mit dem Ostersonntag endet die 40tägige Fastenzeit. Das Osterfest lässt die Auferstehung Jesu als Fest der Befreiung von der Macht des Todes verstehen. Zu den schönsten Osterbräuchen zählt die Feier der Osternacht. Die Osterkerze wird, nachdem sie vorher gesegnet wurde, in den dunklen Kirchenraum getragen. Seit altersher wird in der Osternacht getauft. Das Osterlamm erinnert an Christus als das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt und hinweg nimmt. In deutschsprachigen Ländern und den Niederlanden suchen die Kinder bunt bemalte Eier und Süßigkeiten, die vom Osterhasen versteckt wurden. Das Osterei gilt als Symbol der Fruchtbarkeit, Wiedergeburt und Auferstehung. So wie das Küken die Schale zerbricht, um zum selbstständigen Leben zu gelangen, so überwindet Jesus in der Auferstehung die Todesmacht des Grabes um neues Leben zu gewinnen. Der Osterhase ist ebenfalls ein Symbol der Fruchtbarkeit. Da die Hinterläufe des Hasen länger sind als die Vorderläufe, kann er sich nur berganlaufend retten. So soll der Mensch Christus zustreben und nicht dem irdischen anhängen. In der katholischen Kirche spendet der Papst am Ostersonntag den Segen Urbi et Orbi – der Stadt Rom und dem ganzen Erdkreis.


Zeit unterwegs zu sein, aufzubrechen zu neuen Ufern. Zeit zu reisen und den Horizont zu erweitern. Himmelfahrt: Er aber sprach zu ihnen: „Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und bis ans Ende der Erde.“ Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben und eine Wolke nahm ihn vor ihren Augen weg. (Apostelgeschichte 1, 7-9) Mit dem Fest Christi Himmelfahrt feiern Christen die Rückkehr Jesu Christi als Sohn Gottes zu seinem Vater im Himmel. Christi Himmelfahrt wird am 40. Tag des Osterfestkreises, also 39 Tage nach dem Ostersonntag gefeiert. Der frühestmögliche Termin ist der 30. April, der späteste der 3. Juni. Früher wurde in den Gottesdiensten an Himmelfahrt die Osterkerze ausgeblasen und damit, das endgültige Weggehen Jesu symbolisiert. Jesus verlässt seine Jünger nun endgültig, aber er geht mit einer Zusage: Ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen. Ihr werdet meine Zeugen sein, ihr werdet gehen bis ans Ende der Erde.“ Das macht mündig und erwachsen, sorgt dafür, dass die Jünger selbstständig und sich ihrer selbst bewusst werden konnten. Für die Christenheit hat das Himmelfahrtsfest noch eine weitere Bedeutung, wird es doch als Beginn des Missionsauftrags verstanden. Mit seinem Abschied sandte Jesus die Jünger in die Welt, um für ihn zu zeugen und tätig zu sein. Sie sollten berichten und in die Welt tragen, was sie mit ihm erlebt hatten. Leider wurde dieser Missionsbefehl oft missverstanden. In der Geschichte wurde das Christentum zu oft mit Gewalt verbreitet und war mit der Macht der Herrschenden verbunden. Christi Himmelfahrt ist in Deutschland und auch in mehreren anderen Ländern Europas ein gesetzlicher Feiertag. Im weltlichen Bereich entwickelt sich der Feiertag zum „Vatertag“, auch „Männertag“ oder „Herrentag“ bezeichnet. An diesem Tag gibt es Bräuche, wie die „Herrenpartie“ (Kutschfahrt oder Wanderung in die Natur) oder Tagesausflüge mit der ganzen Familie.


Zeit sich zu bewegen, Zeit in Bewegung zu kommen, sich beflügeln und einzulassen auf Gottes Geist nicht nur an Pfingsten. Pfingsten: 50 Tage nach Ostern findet das Pfingstfest statt. Damit fällt der Pfingstsonntag zwischen den 10. Mai und den 13. Juni. Der Osterkreis endet und der Pfingstfestkreis beginnt. Der Name Pfingsten ist abgeleitet vom griechischen „pentekoste“ - der 50. Tag. Die Christenheit feiert an Pfingsten die Entsendung des Heiligen Geistes. Während also an Himmelfahrt Jesus das Versprechen gab, dass eine neue Kraft über die Menschen kommen würde, so tritt an Pfingsten die Einlösung dieses Versprechens ein. Die Apostelgeschichte berichtet über das, was am Pfingstfest in Jerusalem geschah. Die Jünger waren zum Fest „Schawuot“ nach Jerusalem gekommen, an dem nach jüdischer Tradition die Offenbarung der Tora an das Volk Israel gefeiert wird. „Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und er erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. (Apg. 2,2) Die Ausgießung des Heiligen Geistes ist das Zentralereignis von Pfingsten. Von einem gewaltigen Wind ist da die Rede, der alle erfüllt und ergreift. Das hebräische Wort für Geist - „ruach“ kann auch mit „Wind“ übersetzt werden. Der Heilige Geist wird als ungeheure Kraft verstanden, die mündig, frei und lebendig macht. Die Jünger, die sich vorher aus Angst und Verzweiflung um den Tod ihres Meisters Jesus verkrochen haben, fassen plötzlich den Mut öffentlich aufzutreten und halten flammende Reden. In seiner anschließenden Predigt ermuntert Petrus die Menschen, Buße zu tun und sich taufen zu lassen. Das Pfingstfest fällt in die fruchtbarste Epoche des Jahres. So assoziiert man mit der Kraft des Geistes auch kreative und schöpferische Ideen und Einfälle, sowie begeisternde Gedanken. Das Urereignis an Pfingsten lehrte die Menschen einander zu verstehen. „Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt, denn jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.“ (Apg. 2,6) Die Trennung zwischen Völkern und Rassen, Ideologien und Glaubenshaltungen wurden aufgehoben. Kommunikation war plötzlich möglich, ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl entstand. Daher wird das Pfingstfest auch als Gründung oder Geburtstag der Kirche verstanden. In Deutschland ist der Pfingstmontag ein gesetzlicher Feiertag. Als regionale Pfingstbräuche gelten Tanz um den Pfingstkranz, Pfingstbaumpflanzen, Schmücken des Pfingstochsen, Frankfurter Wäldchestag und Birkenstecken.


Zeit in und mit der Natur zu leben, dankbar zu sein für das, was ich ernten kann. Zeit, Gott zu danken für all das Gute, was er mir schenkt. Trinitatis Die Woche nach Pfingsten beginnt mit dem Festtag „Trinitatis“. Das Fest Trinitatis (lat.) ist der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet, auch Dreieinigkeit genannt. Kein Ereignis aus dem Leben Jesus ist der Bezug, sondern die Glaubenslehre des einen Gottes in drei Personen. Am Trinitatis - Sonntag denken wir darüber nach, wie sich Gott uns in verschiedenen Gestalten als Schöpfer im Vater, als Versöhner im Sohn und als Mittler im Geist offenbart. Das Fest Trinitatis gibt es erst ab dem 10. Jahrhundert. Längere Zeit noch gab es Differenzen, ob das Fest überhaupt gefeiert werden soll, 1334 wurde es von Papst Johannes XXII eingeführt. Seit dem 18. Jahrhundert ist der heutige Termin gebräuchlich. Die darauf folgenden Sonntage werden „nach Trinitatis“ gezählt. Trinitatis wird oft als Fest der Glaubensbekenntnisse begangen, neben dem üblichen „apostolischen Glaubensbekenntnis“ werden auch die weniger bekannten, wie das „nicänische“ und das „athanasianische Glaubensbekenntnis“ gelesen. Weiterhin tauchen in der Liturgie der Gottesdienste trinitarische Formeln, wie „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ auf. Mit dem Trinitatis - Sonntag beginnt die Zeit ohne große Feste im Kirchenjahr. Es beginnt die Sommerzeit, die selbst ein einziges großes Fest ist.