100 Jahre Kirche Wellerode

Unsere Kirche in Wellerode ist mit ihren nunmehr 100 Jahren eine der jüngeren im Umkreis. Sicher gibt es historisch bedeutsamere und eindrucksvollere Kirchen - auch wenn dies die Welleröder nicht gerne zugeben.

Am Anfang dieses Jahres kamen unabhängig von einander zwei Welleröder Bürger auf die Idee, das hundertjährige Bestehen der Kirche zum Anlass zu nehmen, sie von innen und außen unter kunst-, kirchen- und architekturgeschichtlichen Aspekten zu betrachten und zu beschreiben; denn sie waren der festen Meinung, dass auch zu diesem noch gar nicht so alten Gebäude allerhand zu sagen sei, zumal seine Entstehung an einem deutlichen Wendepunkt in der Architekturgeschichte lag. Beide sind „nicht mit Fahrenbachwasser getauft", also keine alteingesessenen Welleröder.

Hans-Ulrich Werner ist 1977 nach Wellerode gezogen und Dietmar Peter hier aufgewachsen und familiengeschichtlich mit Wellerode verbunden. Beide sind lokalhistorisch interessiert und haben schon einiges zur Geschichte Wellerodes veröffentlicht.

Beiden war es wichtig, sich mit unserer Kirche als einem Bauwerk zu beschäftigen, welches das Ortsbild geprägt hat und noch prägt, einem Bauwerk, das Zeichen ist für lokale Identität und Zugehörigkeit, ein Zeichen für Heimat. Doch nicht nur dies symbolisiert die Kirche. Als „Gottes Haus", als Versammlungsort der christlichen Gemeinde zum Lobe Gottes, zu Andacht, Singen, Fürbitte und Gebet, ist sie ein Zeichen, dass wir unser menschliches Leben nicht aus uns selbst heraus haben, sondern dass wir Geschöpfe sind, angewiesen auf Gottes Gnade. Bis heute fordert das dreimalige Läuten am Tage zum Gebet auf, und Sonn- und Feiertage werden öffentlich eingeläutet.

Eine Kirche ist aber kein Museum, sondern sie ist und wird lebendig durch die Menschen, die sich in ihr begegnen. Unterschiedliche Pfarrer haben in hundert Jahren in unserer Kirche Gottesdienste gehalten, getauft, konfirmiert und getraut. Und Generationen von Wellerödern haben in Freud und Leid in dieser Kirche Trost und Segen gesucht und auf die frohe Botschaft von Jesus Christus gehört.

In hundert Jahre hat aber nicht nur das Gebäude Veränderungen erfahren, auch das Dorf hat sich gewandelt, unsere Gesellschaft ist eine andere geworden. Dies spiegelt sich wider in der Geschichte der Kirche und in den Geschichten der Menschen, die um die Kirche herum gelebt, gearbeitet, gefeiert haben. Nur hundert Jahre sind ein kleiner Ausschnitt aus der Ortsgeschichte und der örtlichen Kirchengeschichte. Aber wie plastisch können sie werden, wenn wir Menschen auf Fotos wiedererkennen, die Teil dieser Geschichte gewesen sind und sie als unsere Vorfahren geprägt und gestaltet haben. Wer sich seiner Geschichte bewusst ist, kann auch Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft übernehmen. „Gotteshaus und Menschenwerk", den Titel, kann man auch gut umkehren: „Der Menschen Haus" soll diese Kirche sein, in der sie ihr Menschsein im Horizont des Glaubens verstehen und bedenken, und „Gottes Werk" ist sie, weil wir alle sein Werk sind. So wie es in Luthers Kleinem Katechismus heißt: „Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat ... und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit, ohn all mein Verdienst und Würdigkeit..." und dass der Heilige Geist „...die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält im rechten einigen Glauben".